Wir bekommen einen neuen Schulnamen

Julia-Koppers-Gesamtschule (BZ vom 30.01.2019)

Erinnerung an Julia Schily-Koppers

Neuer Name für Gesamtschule

Julia Schily-Koppers steht beispielhaft für jene Künstlerinnen, die sich im unemanzipierten 19. Jahrhundert ihren Weg bahnen mussten. Foto: Stadtmuseum/ExpoTexte 11

(pet). Die Gesamtschule Borken-Raesfeld wird künftig Julia-Koppers-Gesamtschule heißen – verbunden mit dem Untertitel „Gesamtschule der Stadt Borken mit Teilstandort in der Gemeinde Raesfeld; Schule der Sekundarstufe I und II“.

Mit der Namensvergabe wird Leben und Werk der aus Borken stammenden Künstlerin Julia Schily-Koppers (1855 bis 1944) gewürdigt. Bereits im vergangenen Jahr war diese Bezeichnung in den schulischen und kommunalen Gremien vorgeschlagen worden. Nachdem die Familie Schily ihr Einverständnis zur Namengebung erklärte, beschloss die Schulkonferenz der Gesamtschule Ende Juni 2018 einstimmig die neue Bezeichnung. Im Dezember hatte bereits der Raesfelder Rat sein Okay gegeben, in der kommenden Woche folgt der Borkener Schulausschuss.

Über Julia Schily-Koppers, zu deren Enkeln der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily zählt, heißt es in der Sitzungsvorlage für den Schulausschuss: „In einer Zeit, in der Frauen ein offizielles Studium an deutschen Kunstakademien noch verwehrt war, verfolgte Julia Schily-Koppers energisch den Wunsch, die Malerei professionell zu erlernen. Nach einer ‚schönen, ländlichen Kinderzeit‘ in der Umgebung des damaligen Hauses Koppers in der Vennestraße (Borkener Innenstadt) absolvierte die Tochter des Juristen und späteren Landgerichtsrates Albert Koppers freilich zunächst ein Haushaltsjahr, bevor ihre Eltern eine Lehre bei dem Maler Dominik Mosler, der an der Ausmalung der Ägidii-Kirche in Münster beteiligt war, billigten.

Sie setzte ihre Studien in Düsseldorf fort, wo sie gemeinsam mit weiteren weiblichen Kunststudentinnen durch Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie unterrichtet wurde. Bereits 1878 konnte sie auf der Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste in Berlin ihre Werke zeigen, worauf die Teilnahme an zahlreichen, auch internationalen Ausstellungen folgte. Selbst nach der Heirat mit Leo Schily, zahlreichen Umzügen und als Mutter von drei Kindern gab sie die Malerei nie völlig auf und widmete sich bis ins hohe Alter vor allem der Porträtmalerei und dem Genrebild.

Ihr Leben und Werk spiegelt insbesondere die Situation jener mutigen und oft übersehenen Frauen im Klima des 19. Jahrhunderts wieder, die Kunst, Liebe und Leben gleichermaßen ernst nahmen und dennoch auch den Weg der erst beginnenden Emanzipation ebneten. Künstlerinnen wie Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter oder Clara Rilke-Westhoff wurden erst geboren, als Malerinnen der Generation Julia Schily-Koppers bereits erste, hart erkämpfte Ausstellungserfolge feierten, heute jedoch zumeist vergessen sind.

Der Heimatverein und die Stadt besitzen eine inzwischen umfängliche Sammlung an Gemälden, Studien und Zeichnungen aus verschiedenen Schaffensperioden, von früher Studienzeit bis zum Spätwerk.“

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